- Felix und Isi in Rheinau am Rhein
- Die beiden Kieler fuhren oft auf idyllischen Wegen
- In Italien kam dann echtes Urlaubsflair auf
- In Freiburg hatte Felix den ersten
und einzigen Platten
- Camping am Nord-Ostsee-Kanal
- Camping weiter im Süden
- Das Paar strampelte sich die Alpen hinauf
Kein Auto zur Verfügung, aber fünf Wochen Zeit? Dann ab auf’s Rad und los nach Korsika! Isabell Posdziech und Felix Rochlitz aus Kiel erlebten im letzten Sommer ein unvergessliches Fahrradabenteuer.
Im Sommer nach Frankreich in den Urlaub zu fahren, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Die Art und Weise, wie Isabell Posdziech (27) und Felix Rochlitz (28) dies taten, allerdings schon. Das Paar fuhr im vergangenen Jahr von der Kieler Metzstraße bis ins italienische Savona – und zwar mit dem Fahrrad. Von der Küstenstadt brachte eine Fähre die beiden dann Anfang September ans lang ersehnte Ziel ihrer fünfwöchigen Reise – die französische Insel Korsika.
- Felix und Isi in Rheinau am Rhein
- Die beiden Kieler fuhren oft auf idyllischen Wegen
- In Italien kam dann echtes Urlaubsflair auf
- In Freiburg hatte Felix den ersten
und einzigen Platten
- Camping am Nord-Ostsee-Kanal
- Camping weiter im Süden
- Das Paar strampelte sich die Alpen hinauf
„Eigentlich wollten wir mit dem Auto fahren, aber wir hatten nicht genug Kohle“, lacht Isabell. „Und Wandern konnten wir auch ausschließen“, ergänzt Felix. Denn in einem früheren Urlaub hatten beide bereits herausgefunden, „dass das nicht so Isis Ding ist“, grinst Felix, der seinerseits einst bereits mit einem Kumpel auf Korsika mit dem GR 20 den schwersten Fernwanderweg Europas bewältigt hatte.
Dementsprechend fiel die Wahl des Reisemittels aufs eigene Fahrrad. „Felix hatte schon eine Tour durch Norwegen geplant“, blickt Isi zurück, „aber zu der Zeit war dort der Niederschlag zu hoch.“ Dann doch lieber in den warmen Süden. Mithilfe einer Navigations-App machte sich der Outdoorfan, der in Kiel Sport und Wirtschaftspolitik auf Lehramt studiert, erneut an die Routenplanung. Nach der zweiwöchigen Vorbereitungsphase, die auch den Kauf neuer Räder beinhaltete, ging es Ende Juli mit rund 40 Kilogramm Gepäck los.
- Felix und Isi in Rheinau am Rhein
- Die beiden Kieler fuhren oft auf idyllischen Wegen
- In Italien kam dann echtes Urlaubsflair auf
- In Freiburg hatte Felix den ersten
und einzigen Platten
- Camping am Nord-Ostsee-Kanal
- Camping weiter im Süden
- Das Paar strampelte sich die Alpen hinauf
Doch aller Anfang ist schwer. Nachdem beide einige Tage entlang des Küstenradwegs Deutschland in Richtung Niederlande verlassen hatten, sahen sie sich tagelangem Regen und permanentem Gegenwind ausgesetzt. „Nach eineinhalb Wochen hatte ich einen kleinen Breakdown und wollte nicht mehr weiterfahren“, erinnert sich Isi. Doch Felix erwies sich als Mann der Tat, zweckentfremdete eine Wäscheleine zum Abschleppseil und zog seine Freundin trotz der widrigen Umstände hinter sich den Deich hinauf. „Kurz vor Amsterdam habe ich mich dann nochmal endgültig dazu entschieden, das durchzuziehen“, lässt die BWL-Studentin den holprigen Start Revue passieren.
Anschließend ging es bergauf – im metaphorischen Sinne. Denn dank sommerlicher werdender Temperaturen konnte das Paar die folgenden Tage, die sie entlang des Rheins aus den Niederlanden zurück nach Deutschland und anschließend auf dem Moselradweg ins Elsass führten, jetzt endlich auch genießen. „Man hatte sich dann auch irgendwann eingegrooved“, sagt Isi, die gemeinsam mit Felix eine gewisse Routine entwickelte. Nach dem Tag auf dem Rad und dem einen oder anderen Snack, wie am Wegesrand gepflückten Äpfeln oder Trauben, kochten sich beide abends im kleinen Kocher eine warme Mahlzeit, ehe im Zelt das Nachtquartier bezogen wurde.
- Felix und Isi in Rheinau am Rhein
- Die beiden Kieler fuhren oft auf idyllischen Wegen
- In Italien kam dann echtes Urlaubsflair auf
- In Freiburg hatte Felix den ersten
und einzigen Platten
- Camping am Nord-Ostsee-Kanal
- Camping weiter im Süden
- Das Paar strampelte sich die Alpen hinauf
Dem kurzen Abstecher nach Frankreich folgte auf Höhe von Freiburg der einzige Platten der Tour, der jedoch kein großes Hindernis darstellte. Nach schönen Momenten in der Schweiz, wo sich beide zum Beispiel bei einem Zwischenstopp in Basel von der starken Strömung des Rheins treiben ließen, ging es dann auch im wörtlichen Sinne bergauf – die Alpenüberquerung stand bevor. Fünf Tage lang ging es für Isi und Felix den Bergpass hinauf. „Das war dann schon ein richtiges Abenteuer, weil wir dort oben kaum jemanden getroffen haben“, berichtet Felix. Für die Strapazen wurde das Paar gleich doppelt belohnt: zum einen mit einem unvergesslichen Ausblick, zum anderen mit der folgenden Abfahrt. „Das war schon mein persönliches Highlight“, war der groß gewachsene Modellathlet begeistert, als es mit bis zu 60 km/h wieder hinunter ging.
Hinter den Alpen war der Süden dann regelrecht spürbar. „Als wir die Berge überquert hatten, hat man direkt gemerkt, dass man in einem anderen Land ist“, beschreibt Isi ihre nicht ganz alltägliche erste Reise nach Italien, „und es war einfach sehr schön zu sehen, wie sich die Natur langsam verändert hat.“ Über die Stationen Comer See, Mailand und Piemont erreichten die beiden nach knapp fünf Wochen, 38 Etappen und 3.175 Kilometern mit Savona den Ort, von dem sie per Fähre nach Korsika übersetzten.
- Felix und Isi in Rheinau am Rhein
- Die beiden Kieler fuhren oft auf idyllischen Wegen
- In Italien kam dann echtes Urlaubsflair auf
- In Freiburg hatte Felix den ersten
und einzigen Platten
- Camping am Nord-Ostsee-Kanal
- Camping weiter im Süden
- Das Paar strampelte sich die Alpen hinauf
Und wie lautet das Fazit ihres großen Fahrradabenteuers – einmal und nie wieder? „Nein, auf keinen Fall“, betont Felix, „es war eine tolle Tour. Wir haben richtig viel gesehen und wollen auf jeden Fall nochmal wieder gemeinsam mit dem Rad los.“ Wie praktisch: Die Pläne für den Norwegen-Trip liegen ja noch in der Schublade …
Tipps von Felix und Isabell für euer Fahrradabenteuer:
1) Fahrrad: Es muss nicht gleich eine Neuanschaffung für 2000 Euro sein, schließlich sollte ja auch noch Geld für die Reise selbst übrigbleiben. Einen guten gebrauchten Rahmen findet man mit etwas Glück auch im Internet. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich ein Stahlrahmen mit viel Gepäck deutlich angenehmer fährt als ein Rahmen aus Aluminium. Die meisten gängigen Trekking-Rahmen werden aus Cromolybdän-Stahl (CroMoly) geschweißt.
2) Sattel: Ein bisschen Geld sollte man schon investieren. Immerhin verbringt man die meiste Zeit des Tages auf dem Sattel. Ein qualitativ schlechter oder falsch sitzender Sattel kann einem das Leben ziemlich schwermachen. Ein bewährter Klassiker ist zum Beispiel der Brooks B17 Ledersattel.
3) Navigation: Schaut man sich in den Trekking-Foren um, so scheint kein Weg an einem Hightech-Navigationsgerät vorbeizuführen. Doch mit dem eigenen Smartphone geht es auch kostengünstiger. Mit der kostenlosen App „Komoot“ kann man seine Touren am Rechner planen und sich für kleines Geld Offline-Karten downloaden. Mit Komoot hat man Zugriff auf OpenStreetMap und somit fast alle internationalen Fahrradrouten mit im Gepäck.
4) Übernachten: Es bietet sich an, ein Zelt mitzunehmen. Gerade in den skandinavischen Ländern (Norwegen, Schweden, Finnland) kann man dank des dortigen „Allemansrätten“ sogar legal in der Natur zelten. Eine sehr gute und kostenlose Alternative bietet die Internetplattform „Warm Showers“ (warmshowers.org). Hier bieten fahrradreise-begeisterte Menschen weltweit ihre Gastfreundschaft an. Sei es einen Platz zum Schlafen, einen Platz zum Zelten im Garten oder eben eine warme Dusche.